Leopoldina-Expertengruppe: Deutschland könnte den Anschluss in der Luftfahrtforschung verlieren

Die Schlüsselindustrien der Luftfahrt haben in den vergangenen Jahrzehnten in Europa eine Konsolidierung erlebt. In der Folge könnte Deutschland den Anschluss in der Luftfahrtforschung verlieren.

Die DLR-Forschungsflotte // Foto: ©DLR

Darauf weist eine Expertengruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina unter Leitung von Prof. Stefan Levedag (DLR Braunschweig) und Prof. Rolf Radespiel (TU Braunschweig) im Diskussionspapier „Zukunftsfähigkeit der Luftfahrtforschung in Deutschland“ hin.

Vor allem die wichtige Schlüsselkompetenz der Luftfahrt, die „Systemfähigkeit“, gilt es mit neuen Forschungsfeldern wie CO₂-neutralem Fliegen und unbemannter Luftfahrt zu erhalten und auszubauen. Die Infrastruktur für Luftfahrtforschung mit Windkanälen und anderen Großanlagen sei in Deutschland herausragend, betonen die Autoren und fordern, diese auch in Zukunft zu nutzen. Die Internationalisierung in der Luftfahrt führt zu einer gestiegenen Arbeitsteiligkeit über Ländergrenzen hinweg, ein schleichender Verlust der nationalen Systemfähigkeit im Flugzeugbau ist zu beobachten.

Die Chancen, die sich aus künftigen Anforderungen an die Luftfahrt ergeben, sollten genutzt werden, um diese Expertise zu erhalten beziehungsweise wieder aufzubauen. Zukunftsträchtige Forschungsfelder könnten Ausgangspunkt für neue Kompetenzen werden.

Die Autoren stellen jedoch fest, dass wichtige Grundlagen-Disziplinen der Luftfahrttechnik hierzulande inzwischen fast nicht mehr vertreten sind, so zum Beispiel die Flugmechanik. Viele Ingenieure in diesen Fachgebieten arbeiteten nicht mehr in Deutschland. Durch die enge Verbindung zwischen Industrie und Forschung im Flugzeugbau wirke sich diese Entwicklung auch auf Universitäten und Forschungseinrichtungen aus. Auch in anderen technikwissenschaftlichen Disziplinen seien Ingenieure aus der Luftfahrtindustrie gefragte Fachkräfte.

Die Autoren schlagen unter anderem vor, die Luftfahrtstrategie der Bundesregierung zu erweitern, um die Luftfahrtindustrie und die damit verbundene Forschung zu stärken. Weiterhin empfehlen die Wissenschaftler, Informationen über die aktuelle Situation der Wissenschaft im Bereich Luftfahrttechnik in Statusberichten zu erfassen und damit nutzbar zu machen.

Neben Ingenieurwissenschaftlern der Technischen Universitäten Darmstadt und München sowie der Universitäten Bremen und Stuttgart sind in der Arbeitsgruppe der Leopoldina der Leiter des Instituts für Strömungsmechanik der TU Braunschweig, Professor Rolf Radespiel, und Professor Stefan Levedag vom Institut für Flugsystemtechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig vertreten.

Niedersachsen gehört zu den Zentren der Europäischen Luftfahrtforschung. Im Niedersächsischen Zentrum für Luftfahrt (NFL) sind 23 luft- und raumfahrttechnische Institute der TU Braunschweig, des Deutschen Zentrums für Luftfahrt, der Leibniz Universität Hannover, der Fraunhofer Gesellschaft und der PTB vertreten. Das Cluster „Sustainable and Energy-Efficient Aviation – SE²A“, über das in Kürze im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder entschieden wird, soll wissenschaftliche Grundlagen für den Wandel des Luftverkehrs in den nächsten Jahrzehnten schaffen. Ziel ist es, die Umweltauswirkungen des Luftverkehrs durch den Einsatz nachhaltiger Energieträger und dafür optimierter Flugzeuge deutlich zu reduzieren, den Luftverkehr sicherer zu machen und sein weiteres Wachstum zu unterstützen.

Weitere Informationen über das Niedersächsische Forschungszentrum Luftfahrt finden Sie hier: https://www.tu-braunschweig.de/forschung/zentren/nfl

 

 

 Dienstag, 04 September, 2018  16:47 [20 days]
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